Recht hören. Der ecolex-Podcast

Die Rechtsabteilung 2026. Mit Martina Wachernig

Episode Summary

Die Rolle von Rechtsabteilungen in Unternehmen hat sich stark gewandelt - weg vom reaktiven Troubleshooting, hin zum proaktiven Gestalten. Und diese Entwicklung geht immer weiter. Auch hat sich auch das Berufsbild der:des Unternehmensjurist:in verändert und spricht heute mehr Kandidat:innen an denn je. Im Gespräch mit Thomas Rabl, Chefredakteur der ecolex, und Markus Schrom (MANZ) berichtet Martina Wachernig, Head of Legal der VERBUND AG, von aktuellen Themen und Herausforderungen für Rechtsabteilungen. Dabei kommen die Dauerbrenner Compliance, interne Prozessoptimierung, Zusammenarbeit mit Rechtsanwält:innen, Recruiting und Personalentwicklung genauso zur Sprache wie die heißen Eisen Legal Tech und Künstliche Intelligenz. Hören Sie rein!

Episode Notes

Die Rolle von Rechtsabteilungen in Unternehmen hat sich stark gewandelt - weg vom reaktiven Troubleshooting, hin zum proaktiven Gestalten. Und diese Entwicklung geht immer weiter. Auch hat sich auch das Berufsbild der:des Unternehmensjurist:in verändert und spricht heute mehr Kandidat:innen an denn je. 

Im Gespräch mit Thomas Rabl, Chefredakteur der ecolex, und Markus Schrom (MANZ) berichtet Martina Wachernig, Head of Legal der VERBUND AG, von aktuellen Themen und Herausforderungen für Rechtsabteilungen. Dabei kommen die Dauerbrenner Compliance, interne Prozessoptimierung, Zusammenarbeit mit Rechtsanwält:innen, Recruiting und Personalentwicklung genauso zur Sprache wie die heißen Eisen Legal Tech und Künstliche Intelligenz.

Hören Sie rein!

Episode Transcription

Markus Schrom:

[0:20] Guten Tag, liebe Hörerinnen und Hörer. Herzlich willkommen zu Recht Hören, der Ecolex-Podcast.

 

Markus Schrom:

[0:26] Schön, dass Sie wieder eingeschalten haben und an meiner Seite unter anderem Thomas Rabl, Chefredakteur der Ecolex.

 

Thomas Rabl:

[0:33] Hallo Markus.

 

Markus Schrom:

[0:33] Und du hast einen Gast mitgebracht, Martina Wachernig, seit 2017 Head of Legal beim Verbund, schon länger beim Verbund, aber seit 2017 Head of Legal. Herzlich willkommen.

 

Martina Wachernig:

[0:44] Ja, vielen Dank.

 

Markus Schrom:

[0:45] Ja, die, die Sie vielleicht kennen, wissen auch schon, worum es gehen könnte. Natürlich könnte es um Energie gehen, aber wir schauen heute ein bisschen auf etwas anderes, nämlich... Vor allem auf die Rechtsabteilung, auf die Unternehmensjuristen, die sozusagen neben den Anwälten und der Justiz oder Justizverwaltung und die Anwälten und Notare sozusagen die dritte, wenn man so will, die dritte Säule sind, wo viele nach dem Studium hingehen und landen. Und wir schauen uns drei Punkte an, ein bisschen werfen wir einen Blick zurück, Entwicklung oder überhaupt wie Rechtsabteilung 2026, wie hat sich das entwickelt in den letzten Jahren? Die Aufgaben, die Veränderung, das ist mal so ein Block, dann werden wir ein bisschen auf das Recruiting schauen, Personal, wie sieht es denn aus, wie sieht der gute Unternehmensjurist aus, was ist da gefordert oder welche Qualitäten sollte man mitbringen und zum Schluss den Einsatz von Legal Tech und KI in einer Rechtsabteilung, Vorteile, Nachteile, Erfahrungen oder auch schlechte Erfahrungen, gute oder schlechte Erfahrungen.

 

Markus Schrom:

[1:54] Thomas, vielleicht steigt es ja gleich einmal ins erste Thema ein, ins Allgemeine.

 

Thomas Rabl:

[1:59] Also liebe Martina, vielen Dank, dass du da bist. Wie ich sage es noch nach der guten Ordnung, wir sind bei Du, wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Und wir haben ja hier beim Ecolex-Podcast ja nicht nur immer so hardcore juristische Themen, sondern eben schauen auch ein bisschen in die Branchen hinein. Also wir haben uns einmal über Anwaltsbewertungen unterhalten und heute unterhalten wir uns auch über Rechtsabteilungen und wie sich Rechtsabteilungen entwickeln, wie der Markus gesagt hat, und welche Herausforderungen sie aktuell stehen. Vielleicht zu Beginn kannst du vielleicht kurz beschreiben, was du so grundsätzlich machst und wie eure Rechtsabteilung so grundsätzlich aufgestellt ist.

 

Martina Wachernig:

[2:38] Ja, Thomas, vielen Dank für die Einladung. Es ist natürlich schön, wenn ich in dem Rahmen noch ein bisschen über uns und über unsere Rechtsabteilung sprechen darf. Also grundsätzlich sind wir in der Holding, in der Verbund AG angesiedelt. Unsere Rechtsabteilung besteht aus circa 20 Personen. Wir behandeln da alle möglichen Rechtsgebiete, die man sich so vorstellen kann. Also Energierecht ist natürlich eins davon, aber natürlich Gesellschaftsrecht ist ein großer Block und alles, was so sonst damit zusammenhängt. Und wir haben sonst noch spezialisierte Juristinnen und Juristen in unseren Konzerngesellschaften, zum Beispiel in unserer HydroPower, wo es um die Wasserkraftwerke geht. Dann haben wir natürlich auch in unseren Netzbetreibern unsere Juristinnen und Juristen. Da gibt es auch eigene Teams. Und in den letzten Jahren sind wir natürlich auch international gewachsen und da haben wir auch unsere Teams in unseren Büros vor Ort. Also das wäre immer so das generelle Setup.

 

Thomas Rabl:

[3:31] Ja, du hast ja schon angesprochen. Es ist ja gerade euer Konzern, da gibt es sehr vielfältige Herausforderungen, weil es halt einfach von der Auslandsbeteiligung bis hin zum, ja wie soll ich sagen, österreichischen Liegenschaftsrecht, wenn man das so sagen kann, also wer durch den Gemüsegarten geht. Jetzt ist es so, dass ich habe mich in Vorbereitung auf unser Gespräch auch ein bisschen mit diesem KPMG-Rechtsabteilungsreport, der da so laufend alle zwei Jahre erscheint, auseinandergesetzt. Und da wird es unter anderem natürlich auch und insbesondere bei Infrastrukturunternehmen ist es definitiv der Fall, als große Herausforderung gesehen, wie Rechtsabteilungen sozusagen aktuell mit dieser Vielzahl oder dieser Flut oder permanenten Flut an Vorschriften, also nicht nur im Bereich der unmittelbaren Regulierung, sondern wir gehen auch ins Datenschutzrecht oder was auch da hineingehen. Habt ihr da irgendwie in den letzten Jahren gelernt, habt ihr da etwas getan, wie man damit umgeht?

 

Martina Wachernig:

[4:34] Naja, das ist eine große Frage natürlich. Also die Regulierung wird natürlich komplexer. Also wir haben natürlich immer mehr Ressourcen, die wir da hineinstecken wollen, allein EU-Regulierungen und dann auf nationaler Ebene kommt immer wieder was. Eben in den internationalen Märkten haben wir natürlich auch wieder ein bisschen unterschiedliche Themen zu behandeln. Wie gehen wir damit um? Ja, wir versuchen es bestmöglich zu monitoren. Ich meine, der große Vorteil in einem großen Unternehmen ist natürlich, wir sind ja nicht alleine. Also es ist auch nicht unsere einzige und alleinige Verantwortung, sondern wir haben da schon ein gutes Team an Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen, die da mit uns gemeinsam arbeiten. Wir haben auch ein Büro in Brüssel, wo wir natürlich auch die Themen im Vorfeld schon oft hören, was kommen wird und bereiten uns dann dementsprechend darauf vor. Aber ja, die Knochenarbeit ist dann schon da, weil du weißt ja selber, wie es ist mit diesen EU-Vorschriften, ist es ja nicht immer so eins zu eins gleich verständlich und ungleich am ersten Blick erkennbar, betrifft mich das überhaupt? Und da kommen dann schon die Fragen, gerade auch was der ganze IT-Sektor ist. Also der ist für uns natürlich schon eine große Herausforderung,

 

Martina Wachernig:

[5:37] weil es da auch um Begriffe geht, die nicht selbsterklärend sind. Also da haben wir einiges zu tun, aber im Team sind wir gut dabei und da schaffen wir es auch gut und externe Hilfe holen wir uns dann auch immer wieder.

 

Thomas Rabl:

[5:48] Ja, vielleicht auch sozusagen die Rolle der Rechtsabteilung. Du bist ja schon länger tätig für den Verbundkonzern. Wie kannst du beschreiben, wie sich das in den letzten Jahren geändert hat? Also wenn ich das so sagen darf, früher aus meiner Wahrnehmung war Rechtsabteilung so Troubleshooter. Da ist halt irgendwas passiert, dann ist es in die Rechtsabteilung gegangen und auch sozusagen in diesen Reports, die man so lesen kann und den Erhebungen ist, hat sich glaube ich die Rolle der Rechtsabteilung in den letzten Jahren doch ein wenig von einer reaktiven zu einer...

 

Thomas Rabl:

[6:21] Proaktiven Einheit im Konzern entwickelt. Kannst du das bestätigen?

 

Martina Wachernig:

[6:28] Ja, definitiv ist das ein ganz anderes Leben als vielleicht vor 20 Jahren. Also vor 20 Jahren war die Dienstleistung halt sehr stark im Vordergrund. Da war man halt der Inhouse-Dienstleister. Man bekam einen Auftrag, der zu erfüllen war. Wie es zu dem Auftrag kam oder was da dahintersteht, das wusste man nicht. Also das traf einen ja immer relativ aus Heit am Himmel sozusagen. Da gab es auch gewisse definierte Tätigkeitsbereiche, die Vielen Dank. Man musste bearbeiten und andere durfte man nicht bearbeiten. Also da war der breite Blick ja überhaupt nicht gewünscht in dem Zusammenhang. Das hat sich natürlich drastisch gewandelt. Also erstens natürlich mit der Vielzahl von neuen Aufgaben, die da kamen und andererseits natürlich auch mit Haftungsthemen, mit dem Bewusstsein des Managements für potenzielle Probleme, die dann kommen. Also das hat sich so weiterentwickelt. Also mittlerweile sind wir schon auch ein zentraler Bereich, der auch in strategische Entscheidungen eingebunden wird. Also wie kommt es überhaupt zu Überlegungen oder wo kommen die Dinge her, ist natürlich auch für die Rechtsabteilung mittlerweile ein ganz, ganz massiver Punkt, wo auch sehr viele Ressourcen drinnen liegen. Allein die Überlegungen, was will der Konzern erreichen, wo wollen wir hin, welche Planungen gibt es, da sind wir natürlich in erster Reihe dabei und das macht es auch spannend.

 

Thomas Rabl:

[7:42] Ja, das glaube ich. Also das ist sicher eine andere Rolle eben noch wie vor 20 oder noch vor fast 10 Jahren, dass man halt hier quasi so mit sozusagen in der Entscheidungskette gleich mit eingebunden wird und nicht sozusagen erst dann sozusagen herangezogen wird, wenn die Probleme auftauchen oder wenn halt schon alles im Argen liegt sozusagen.

 

Martina Wachernig:

[8:01] Ja, natürlich. Und das ist natürlich auch, die Rolle ist dankbarer, wenn man gleich von Anfang an weiß, warum macht man es überhaupt. Dann immer nur hinterher eingebunden zu werden und dann sagen zu müssen, so funktioniert das aber leider nicht, ist natürlich genau die klassische Rolle, die wir nicht wollen, nämlich die verhindern. Und das versuchen wir zu vermeiden, indem man es im Vorfeld schon ein bisschen versucht zu lenken und sagen, okay, wo sind vielleicht die Grenzen und wo müssen wir uns mehr bemühen und wo muss man vielleicht etwas zurückschrauben.

 

Thomas Rabl:

[8:27] Du hast ja gesagt, also ihr habt sozusagen im Kern 20 Mitarbeiter, quasi in der Zentrale und dann halt ausgelagert in den jeweiligen Tochtergesellschaften dann entsprechende juristische Einheiten, auch im Ausland. Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit sozusagen mit den, wie soll ich sagen, Juristen aus einer fremden Rechtsordnung?

 

Markus Schrom:

[8:52] Spanien habe ich gelesen. In meiner Vorrecherche habe ich gelesen, dass Spanien offensichtlich auch viele Leute aus Spanien bei Ihnen jetzt in der Abteilung sind.

 

Martina Wachernig:

[9:03] Ja, also die Spanier, die sind ein Team, also unser größtes Auslandsteam. Das sind derzeit fünf Juristinnen und Juristen tätig. Also das ist für uns natürlich eine sehr große Bereicherung. Also nicht nur fachlich, sondern auch persönlich, weil natürlich das Ausbildungswesen in Spanien ist deutlich anders als in Österreich. Also da haben wir auch einiges gelernt, wie das dort funktioniert und wo die herkommen und wie die arbeiten. Und dann die generelle Einstellung zur Arbeit ist ganz interessant. Also das Team ist sehr jung und sehr motiviert und da ist immer was los im spanischen Büro. Also das ist wirklich beeindruckend, wenn man da reinkommt. Das ist ein bisschen so ein Binnenstock. Und die können sich so herrlich freuen über alles und wenn was schief geht, dann sind sie auch todtraurig. Es ist wirklich eine andere Unternehmenskultur und eine andere Lebensform und Lebensfreude, die dort unten herrscht. Also da sind wir immer happy. Also das ist unser Büro in Madrid, um genau zu sein.

 

Martina Wachernig:

[10:00] Das Recruiting dort, das wäre das nächste Thema. Ich weiß nicht, ob wir jetzt schon umschwenken wollen.

 

Thomas Rabl:

[10:05] Ich habe noch ein Thema. Doch, wir haben ja unsere, wie du weißt, oder Markus möge mich korrigieren, aber 85 Prozent unserer Leserinnen und Leser und Hörerinnen und Hörer sind natürlich aus der Anwaltschaft und das muss ich schon noch ansprechen. Ähm, Es hat sich ja sozusagen die Zusammenarbeit zwischen größeren und großen Rechtsabteilungen mit den Anwälten und Anwältinnen natürlich in letzter Zeit, weiß jeder, geändert. Und da gibt es zwei Aspekte, glaube ich, die ganz wesentlich sind. Das ist das eine, die generelle Auswahl. Also wie wählt ihr Anwälte? Jetzt, sage ich mal, sprechen wir gar nicht von Österreich, weil da ist bekanntermaßen die Szene überschaubar, wenn man da, weiß nicht, 20 Jahre in einem Bereich arbeitet, weiß man schon, wen man dann irgendwie fragt und so. Aber wie wählt der Anwälte grundsätzlich aus? Zum Beispiel in Spanien oder in Deutschland oder wie auch immer. Das würde mich interessieren. Und das Zweite ist, Es hat sich auch schon herausgestellt, dass sozusagen die seien und seien Entlohnungssysteme für Anwälte im Wandel sind. Also man hat ja früher, war das auch bei Transaktionen, ist der Taxameter einfach gelaufen durch den Stundenvereinbarung. Da gibt es jetzt schon andere Entlohnungsmodelle. Auf was setzt sie da? Also vielleicht fangen wir kurz an, wie sucht ihr Leute aus und auf was setzt sie sozusagen bei der Vergütung?

 

Martina Wachernig:

[11:20] Ja, also unsere Auslandstätigkeiten waren ja sehr M&A-lastig die letzten Jahre. Und im M&A-Wesen ist es ja meistens so, dass große Mandate vergeben werden. Und da hat man dann quasi einen gewissen Pool. Also ich habe ja eine Mitarbeiterin, die spezialisiert ist auf M&A international, die da quasi einmal ihre Recherche durchführt, einmal versucht herauszufiltern, wer kommt für uns in Frage und wo sind geeignete Kanzleien, wo gibt es die Expertise, wo gibt es die...

 

Thomas Rabl:

[11:46] Weißt du, Entschuldige, wenn ich dich da unterbreche, weißt du, wie sie das aussucht? Schaut sie da in die großen Verzeichnisse? Also so, weißt du, Legal 500 und das alles?

 

Martina Wachernig:

[11:55] Also sie ist sehr international, deswegen macht sie das. Also sie schaut sich diese internationalen Rankings sehr genau an, aber natürlich auch über Kontakte. Also wir versuchen schon da mit unseren österreichischen Partnerkanzleien zu schauen, wo habt ihr Erfahrungen gesammelt, weil am Ende geht es ja nicht nur um die Kanzlei, sondern immer die Person, die man dann konkret mandatiert. Genau, und dann haben wir meistens ein Setup, dass wir eine Ausschreibung durchführen mit einer gewissen Anzahl von Anwaltskanzleien und lassen uns dann einmal quasi im Vorfeld anbieten oder lassen uns einmal erklären, wie die Kanzlei arbeitet, welche Bedingungen es dort gibt. Personen natürlich, wie viele gibt es überhaupt, wie viele sind einsetzbar für diese Themen, Konfliktpotenzial und sonstiges schauen wir uns dann halt an, bis wir uns dann annähern einem konkreten Projekt, einem konkreten Mandat und dort wird dann verhandelt über die konkreten Bedingungen des Mandates. Also das waren so die letzten Jahre, die Vorgangsweisen. Ich meine, Was Spanien angeht, wo es dann wirklich zu dem großen Einstieg kam, da haben wir natürlich dann gewisse auch inhaltliche Rechtsberatung danach noch gebraucht. Und da haben wir es dann mit den lokalen Kolleginnen und Kollegen wieder anders gemacht, weil die haben natürlich ihre anderen Kontakte. Und da haben wir uns dann auch einem Pool von Anwaltskanzleien zugelegt, die verschiedene Spezialisierungen haben, die wir dann abrufen, wenn wir sie brauchen.

 

Thomas Rabl:

[13:13] Das heißt, es ist doch schon, glaube ich, wichtig, dass diese persönliche Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatsächlich dann auch zu einer allenfalls Mandatierung von einer Kanzlei oder einer bestimmten Person führt und dass man jetzt nicht so pauschal sagt, okay, ich möchte das keine Kanzlei nennen, aber eine große Kanzlei, die internationale Tätigkeit, die nimmt man auf jeden Fall oder so, sondern das ist dann schon spezifisch gefragt.

 

Martina Wachernig:

[13:39] Ja, also wir sind dann schon dazu übergegangen, auch wirklich die lokalen Kanzleien, also die jetzt vielleicht in Österreich überhaupt nicht irgendwie präsent oder bekannt sind, uns anzusehen, damit wir eben einen guten Ausschnitt bekommen. Weil wenn man immer nur auf die Kanzleien gehen würde, fehlt einem ja der Blick auf die Kanzleien, die man vielleicht nicht so am Schirm hat. Also in Österreich gibt es ja einige Kanzleien, die nicht vertreten sind, die sonst weltweit ja groß vertreten sind. Das wäre dann schade, wenn man sagt, na die schauen wir uns jetzt nicht an. Aber wir haben es dann schon so gemacht, dass wir wirklich direkt mit diesen Kanzleien im Austausch waren und gemeinsam mit denen gearbeitet haben, also nicht eine österreichische Kanzlei dazwischen geschaltet haben. Und da gibt es ja auch dieses System, dass man es quasi zweistufig macht.

 

Martina Wachernig:

[14:20] Und da haben wir uns dazu entschlossen, dass wir es in-house machen. Das ist natürlich ein Aufwand, den man auch nehmen muss und wo man genug Ressourcen dafür haben muss. Aber es hat sich bewährt, weil die Entscheidungswege und die Kommunikationswege sehr kurz sind.

 

Thomas Rabl:

[14:33] Und der Anwaltshonorar, letzter Punkt in der ersten Block.

 

Martina Wachernig:

[14:36] Ja, ich meine, für M&A ist es gut klassisch möglich über Pauschalen abzunehmen. Bilden. Also da haben wir dann schon einen sehr genauen Kriterienkatalog, was wir genau wollen und dann kriegen wir da halt Angebote und da wird halt verhandelt und am Ende gibt es eine Summe. Das funktioniert im M&A-Wesen gut. Sonstige quasi laufende Tätigkeiten, das kommt immer sehr stark darauf an, was es ist, weil natürlich die klassischen Stundensätze bekommen wir immer, damit man zumindest irgendeine Hausnummer hat. Caps, Pauschalen sind natürlich immer erwünscht. Klarerweise, aber natürlich muss es fair bleiben, das ist uns eh bewusst. Also irgendwas ganz ausgefranst, das haben wir jetzt nicht ausprobiert. Also das ist eigentlich das, was wir glücklicherweise machen.

 

Thomas Rabl:

[15:21] Man liest ja sozusagen, dass Österreich ist ein bisschen wie immer im internationalen Entwicklung, immer ein paar Jahre hinten nach, aber man liest es so aus Deutschland schon oder wenn überhaupt so ein anglosächsischer Bereich, dass sich halt hier schon die Entlohnungen geändert haben, eben mit dem Thema Einsatz von KI, auf das wir noch zu sprechen kommen, und weil sich ja auch die Beratungstätigkeit der Anwälte, also etwa im Transaktionsbereich, wenn ich also 15.000 Verträge prüfe, dann werden die typischerweise nicht mehr von den fleißigen Indern, wie das noch vor 15 Jahren geprüft, sondern möglicherweise von einem KI-Tool.

 

Martina Wachernig:

[15:53] Ich meine, das ist natürlich immer die Frage, ist die Aufgabe geeignet dafür? Weil du hast natürlich nicht immer Serienverträge, die dann eine KI super abbilden kannst, sondern das ist ja oft alles Mögliche. Also gerade wenn du eine Pipeline mit mehreren tausend Megawatt kaufst, da hast du keinen einzigen Grundstücksvertrag, der irgendwie gleich ausschaut wie der andere. Ich bin immer nicht sicher, ob eine KI sowas schon abbilden könnte. Also da haben die Kanzleien möglicherweise im Hintergrund schon irgendwie damit gearbeitet.

 

Martina Wachernig:

[16:22] Aber das wird dann dem Mandanten ja gar nicht so transparent.

 

Thomas Rabl:

[16:24] Ja, das ist ein spannendes Thema eigentlich grundsätzlich. Aber gut, die Anwälte herrpft. Na gut, das wäre der erste Block, Markus.

 

Markus Schrom:

[16:31] Ja, der zweite Punkt. Wir sind schon fast rübergeglitten in das Thema. Und zwar Personal, also Personalrechtsabteilung, Recruiting. Qualifikationen, wie muss oder muss oder wie sollte die Kandidatin für eine Rechtsabteilung, was sollte die mitbringen, wie wäre es gut, welche Anforderungen etc., was muss man mitbringen, sicherlich auch die Erfahrung jetzt mit Spanien, auch sicherlich interessant. Ja, und vor allem, weil wir haben eben auch durchaus junge oder auch noch teilweise in der Ausbildung stehende Hörerinnen und Leserinnen, das sieht man auch bei unseren Ecolex, das hört man ja immer wieder. Ich denke, das ist ein spannendes Thema, auch hier mal das ein bisschen zu beleuchten.

 

Thomas Rabl:

[17:16] Gerade wenn ich das gleich anknüpfen darf, das Interessante ist, es gibt ja in den letzten Jahren sozusagen diese, es gibt ja immer so ein Pendel, manchmal schwemmt sozusagen die jungen Leute mehr in die Anwaltei, aber die letzten Jahre, muss man sagen, ist es tatsächlich so, dass vieles wieder rübergeht in große Rechtsabteilungen von großen Konzernen oder auch in den öffentlichen Dienst, aber das ist ja nicht unser Thema heute. Und viele, die aber in der Anwaltei zum Beispiel ihre Ausbildung machen, nach der Anwaltsprüfung sich vielleicht für einen Tag eintragen lassen, um halt die Eintragung ewig zu haben und dann halt versuchen, in eine Rechtsabteilung zu wechseln. Wie ist deine Wahrnehmung da und wie reagiert sie sozusagen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse? Zumal, und das ist ja das große Thema über alles, ja, Work-Life-Balance, Benefits und so weiter und so fort, wo der Anwaltsberuf bekanntermaßen verschrien ist.

 

Martina Wachernig:

[18:16] Ja, ich muss aber vorausschicken, ich bin in einer glücklichen Lage, dass ich nicht sehr oft Recruiting machen muss. Also mein Team ist sehr, sehr stabil. Da bin ich sehr froh. Das sind tolle Kolleginnen und Kollegen bei mir. Also da muss schon jemand in Pension gehen oder sonst irgendwie mal abwesend sein, damit ich wirklich rekrutieren muss. Aber ja, natürlich immer wieder, wenn eine neue Stelle dazukommt, weil ein neues Geschäftsfeld eröffnet wird, dann kommt es natürlich dazu. Also insofern habe ich schon ein paar Erfahrungen die letzten Jahre gesammelt. Also das Wichtigste ist natürlich, wie immer, egal was man angeht, man muss immer zuerst genau überlegen, was will man denn und man muss das halt irgendwie verschriftlichen und aufs Papier bringen, damit für den möglichen Bewerber ja auch verständlich wird, was suchen wir, was wollen wir. Das ist einmal die Kernaufgabe, die schon nicht so einfach ist, wie sie klingt, weil das ist mit Copy-Paste manchmal auch ein bisschen zu wenig. Also da muss man mehr Ehrgeiz reinstecken. Dann arbeiten wir natürlich sehr eng zusammen mit unserer Personalabteilung, die genau auch Tools nutzt, um eben die Bewerberflut ein bisschen zu managen, weil da kommt schon vieles rein natürlich. Also wir sind als Arbeitgeber schon präsent und auch beliebt in der Branche.

 

Markus Schrom:

[19:23] Gibt es auch sehr viele Individualbewerbungen oder nur, wenn gesucht wird?

 

Martina Wachernig:

[19:28] Also Initiativbewerbungen, ja, das kommt immer wieder einmal vor. Es ist jetzt nicht so häufig. Das sehe ich wirklich nur, wenn es irgendwas Spezielles hat, wo es irgendwelche Passwörter gibt, die dann an mich gehen. Aber ich glaube, grundsätzlich ist das bei uns eher unüblich. Also es wird schon eher auf eine Stelle eine Bewerbung folgen. Also ja, genau, also die Kolleginnen, die filtern das oder beziehungsweise lassen sich auch schon natürlich helfen durch Tools, das zu filtern. Und wenn es dann dazu kommt, also mir persönlich ist eigentlich am wichtigsten, dass die Menschen verstehen, wie wir in einem großen Unternehmen arbeiten. Also bei uns das oberste Grundprinzip ist immer, dass man wirklich im Team arbeiten kann und möchte. Weil wir haben jeden Tag mit vielen Menschen zu tun. Wir sind in Meetings, wir haben Abstimmungen, wir haben alles Mögliche. Also wer gerne alleine im Kämmerchen arbeitet, der ist bei uns sicher nicht richtig. Also allein schon die Bürosituation ist eine andere. Also wir arbeiten schon sehr, sehr viel in größeren Büroräumlichkeiten. Also früher diese Einzelbüro-Welt, die gibt es bei uns nicht mehr und die wird es auch nicht mehr geben. Bei den Anwälten nehme ich an, wird das schon noch üblich sein.

 

Thomas Rabl:

[20:36] Ja, teilweise. Also ja, grundsätzlich ja. Aber es wird immer wieder überlegt über Zusammenleger. Es sitzen schon manchmal Leute bei uns auch im juristischen Bereich zusammen. Also nicht nur in meiner oder anderen Kanzleien. Also gerade die Kanzleien, die bei den Big Five oder Big Four oder Big Three angesiedelt sind, die haben natürlich diese Großraumbüro-Mentalität auch schon.

 

Martina Wachernig:

[21:00] Ich meine, das klingt ein bisschen profan, aber es ist schon auf lange Sicht wichtig, ob man sowas gerne haben mag oder nicht. Weil natürlich am Anfang ist man vielleicht noch ein bisschen schmerzbefreit. So, ja, macht man nichts. Aber wenn man das wirklich dann im Inneren nicht so gerne hat, dann wird man es nicht lange durchhalten. Natürlich der Lärm und die Bewegung ist halt ständig da mit mehreren Menschen um sich jetzt, In der Arbeit ist man natürlich jeden Tag mit vielen anderen Menschen konfrontiert. Also das ist mir immer das Wichtigste und das versuche ich dann gut herauszufinden in den Gesprächen.

 

Thomas Rabl:

[21:29] Es ist ja, glaube ich, auch wichtig, ich meine, das ist ja bei jedem Unternehmen so, aber gerade auch bei einem so großen Infrastrukturunternehmen, dass man eine gewisse, wie soll ich sagen, keine Scheu vor Multidisziplin-Handdenken haben darf, glaube ich. Weil ich meine, das ist ja doch Technik und es erschließt sich nicht so von selbst. Da muss man sich schon auch ein bisschen technisch fortbilden.

 

Martina Wachernig:

[21:51] Auf jeden Fall. Also man muss natürlich die Grundlagen verstehen. Ich meine, es muss jetzt keine tiefere Kenntnis von allem da sein. Aber ja, man muss gewisse, die Basis muss passen. Und die wird einem dann schon von den Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen auch beigebracht. Also ich kann mich erinnern, in der APG war das ja ganz am Anfang toll. Da bekam man ja wirklich eine grundlegende Schulung. Also das profitiere ich.

 

Markus Schrom:

[22:11] Das ist die Austrian Power Grid.

 

Martina Wachernig:

[22:13] Genau, das war mein erster Arbeitgeber sozusagen. Und das war schon toll. und da zehre ich heute noch davon, von diesem Basiswissen, das mir damals beigebracht wurde.

 

Markus Schrom:

[22:22] Würden Sie sagen, dass die Attraktivität für fertige Juristen sozusagen der Rechtsabteilung generell jetzt zugenommen hat, auch durch den von Ihnen angesprochenen Wandel von der Aktion oder von der Reaktion zur Aktion hin, den wir im ersten Punkt angesprochen haben? Dass das dadurch natürlich auch insgesamt attraktiver geworden ist. Also man kriegt nicht nur was und arbeitet das dann ab, sondern ist halt schon anders eingebunden. Das klingt ja jetzt für mich schon ein bisschen, dass das ja schon auch ein Attraktivitätsgewinn ist, wenn man dort, also das wird ja nicht nur bei Ihnen schätze ich so sein, das wird ja in anderen Firmen ähnlich sein, in größeren Firmen.

 

Martina Wachernig:

[23:03] Ja, also definitiv. Es ist so, dass die öffentliche Wahrnehmung schon so ist, dass das bei uns viel zu tun ist und dass man viel gestalten kann und mitarbeiten kann. Und das erlebe ich dann schon bei den BewerberInnen, die haben sich gut informiert und die wissen dann schon gut Bescheid, was das Unternehmen macht. Also so richtig, dass man sich jetzt blind bewirbt und sagt, ich schau mal, was passiert, das sieht man eigentlich nicht mehr. Also die haben dann schon konkrete Vorstellungen, was bei uns zu tun ist und das finde ich super, wenn man sich eben im Vorfeld schon damit auseinandersetzt. Aber ja, wie gesagt, bei uns gibt es einen ganzen Blumenstrauß an Tätigkeiten. Also man wird sicher nie in eine Lage kommen, dass einem langweilig ist, sondern im Gegenteil, es ist halt schon eine Herausforderung, aber die wollen viele Menschen gerne annehmen, weil sie auch sehen, es bringt was. Es hat ja einen Sinn.

 

Thomas Rabl:

[23:50] Darf ich noch einen letzten Punkt, der interessant ist, der insgesamt, glaube ich, bei der Tätigkeit für Juristinnen und Juristen immer eine Rolle spielt und das wird immer bei diesen Fragen, auch bei den Konzipientenumfragen.

 

Thomas Rabl:

[24:04] Also das Thema Weiterbildung. Wie geht ihr damit um? Können die Leute sich dann irgendwie spezialisieren im Laufe? Können die dann keinen einen spezialisierten LLM im Umweltrecht oder sowas machen? Oder wird das unterstützt, solche Tätigkeiten?

 

Martina Wachernig:

[24:21] Also da gibt‘s gewisse budgetäre Vorgaben bei uns intern. Da hat man halt einen gewissen Topf, den kann man nutzen und das wird dann immer im Mitarbeitergespräch jedes Jahr besprochen, welche Möglichkeiten es gibt und da gibt es natürlich unterschiedlichste Interessen. Also sagen wir mal, im Generellen ist es für jeden möglich, sich gut weiterzubilden im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit. Wenn es jetzt um irgendwelche sehr, sehr hochpreisigen, langfristigen Ausbildungen geht, dann ist es möglicherweise ein bisschen schwieriger dann umzusetzen und da kommt es immer darauf an, okay, wo willst du hin und was ist eigentlich der Plan mit dieser Ausbildung? Aber da sind wir sicher ein bisschen anders und eher ein bisschen unflexibler als wahrscheinlich das in den Kanzleien dann.

 

Thomas Rabl:

[25:03] Ja, nein, das ist, ich glaube, die Anwälte sind da besonders unflexibel, was das angeht. Aber das ist immer, das wird immer sehr nachgefragt. Also wenn man so bei so Juristinnen Umfragen macht, also unter den Jungen auch nach der Uni oder wenn man so fragt, bei der Success-Messe oder was auch immer, Aber das ist immer ein ganz wesentlicher Punkt, weil sich ja viele vieles offen halten lassen. Also das ist ja nicht anders als früher, dass man nicht mit 30 schon weiß, da bleibe ich jetzt bis zur Pension. Also da geht es dann in unterschiedliche Richtungen. Das ist ein interessantes Thema.

 

Markus Schrom:

[25:34] Jetzt da immer um Weiterbildung auch immer nur klassisch mit der Tätigkeit im Zusammenhang stehend oder auch um Batiken oder Töpfern oder Klangschalen oder so. Das kommt ja auch immer wieder mal vor.

 

Thomas Rabl:

[25:45] Ich glaube, die Kraftwerke, die laufen auch ohne Klangschalen.

 

Martina Wachernig:

[25:49] Also ich glaube, da haben wir wenig Anfragen zu. Also wir haben schon auch sehr interessierte Kolleginnen, die immer am neuesten Stand sein wollen, auch was IT angeht. Das ist natürlich super. Also das unterstützt man auf jeden Fall. Also alles, was du quasi nötigst. Wie nahe unserer Tätigkeit ist, ist natürlich auch in Ordnung. Also so richtig Hardcore-Technik hat jetzt noch keiner gefragt, so Kraftwerksbau oder so.

 

Thomas Rabl:

[26:14] Ja, wir sind jetzt im zweiten Block.

 

Markus Schrom:

[26:17] Ja, wirklich sehr, sehr spannend. Da kann man wirklich lange verweilen, auch bei diesem Thema, finde ich.

 

Markus Schrom:

[26:22] Aber wir müssen auch aufgrund der voranschreitenden Zeit jetzt zum dritten Thema kommen. Legal Tech und KI, nicht nur generell, also ich denke in der ganzen Branche, nicht nur in der Rechtsbranche, sondern überhaupt ist es natürlich das Thema, das uns dieser Zeit auch beschäftigt. Und ich gehe mal davon aus, dass das auch in Rechtsabteilungen der Fall ist, der Einsatz von KI, die Erfahrungen, die guten wie auch schlechten Erfahrungen. Und da würde mich natürlich schon sehr interessieren, was Sie da zu berichten haben aus Ihrem Umfeld.

 

Thomas Rabl:

[26:59] Vor allem, es ist ja sicherlich so, dass gerade in großen Rechtsabteilungen auch, vielleicht manches vielleicht, also nicht alles, aber manches sind Standardprozesse eher, wo man das einsetzen kann oder manche nicht. Also deswegen, wie der Marco schon gesagt hat, es wäre interessant, wie ihr oder du das insgesamt betrachtet und wie ihr das einsetzt und wie man überhaupt sozusagen diese Sachen implementiert. Weil ich kann das nur aus meiner Erfahrung als Kanzleiangehöriger einer Rechtswahl als Kanzlei sagen. Tools kommen daher, dann gibt es diese ganzen, Probe Monate oder Probe Wochen und dann gibt es vielleicht zwei, drei, die sich damit auseinandersetzen und dann sind zehn angemeldet und dann gibt es kein Feedback und dann versandet das bis zu einem gewissen Teil. Natürlich wird das immer mehr eingesetzt, keine Frage, aber es ist jetzt nicht so, also wie soll ich sagen, mir kommt irgendwie vor manchmal, dass der Marketingauftritt dieser ganzen Tools größer ist als ihr tatsächlicher Einsatz derzeit.

 

Martina Wachernig:

[28:00] Ja, das ist natürlich ein Thema, das uns auch schon länger beschäftigt. Also Legal Tech, da haben wir schon einige Jahre jetzt investiert, immer wieder mal Projekte dazu gemacht und uns verschiedenste Dinge dazu angesehen. Das Problem ist, wie du sagst, es ist halt eine Schwemme an verschiedenen Möglichkeiten da, also nicht nur einzelne Tools, sondern generell ganze Prinzipien und was auch immer, ändert sich leider sehr, sehr schnell. Also man muss da wirklich Zeit investieren, damit man am Ball bleibt. Ich versuche dann immer positiv zu sein und zu sagen, es ist ein Weg, das ist kein Ziel, das man erreichen muss, sondern es ist ein Weg, der uns in eine andere Arbeitswelt führt. Wie lange der genau dauern wird, das weiß ich nicht. Aber ältere Kolleginnen, die beschreiben das dann oft so wie der Umstieg von der Schreibmaschine auf die IT-Landschaft. Die sagen, das war ja nicht von heute auf morgen, dass da jeder den Computer hatte und einige haben gesagt, das mache ich nicht mehr, das interessiert mich nicht. Also insofern werden wir hier wohl auch sowas ähnliches erleben. Ich habe den Vorteil, dass ihr im Team schon sehr aufgeschlossene Personen habt, die das sehr gerne machen, die sich gerne verschiedene Dinge anschauen, die man will ausprobieren und die auch Feedback geben. Und da kann man sich auch gut verlassen. Also wenn die schon nach dem dritten Mal sagen, na, das wird nichts, weil mit dem kann ich nichts anfangen, das ist umständlich. Was ja meistens das Problem ist, wenn es nicht intuitiv genug ist, dann scheidet es gleich mal aus. Dann kann man sich darauf verlassen.

 

Thomas Rabl:

[29:25] Hast du da schon, vielleicht um es ein bisschen konkreter zu machen, also wir sind ja doch hier bei Manz und Manz ist ja auch einer der Vorreiter der Digitalisierung und der KI-Entwicklung. Hast du da schon vielleicht ein paar konkrete Erfahrungen, wo du sagen kannst, wie man diese Tools, die es so auf dem Markt jetzt typischerweise gibt, einsetzt?

 

Martina Wachernig:

[29:46] Ja, also ich mache jetzt kein Namedropping, aber ja, wir haben ein Legal Tech Tool im Einsatz. Das ist eben auch ein Pfad und ein Weg, weil natürlich jeder hat seine andere Arbeitsurteilung, Umgebung und viele fühlen sich komfortabel und dann wollen sie halt ungern was ändern. Also da muss man schon immer wieder dranbleiben und immer wieder so kleine Mini-Projekte machen und sagen, jetzt machen wir das und jetzt machen wir das und machen wir das. Also das funktioniert dann bis zu einem gewissen Grad. Also so ein richtiges KI-Tool, das mir wirklich Arbeit abnimmt, das ist bei mir noch nicht im Einsatz. Ich hoffe jetzt ist morgen nicht mein Postfach voll mit Angeboten. Aber wir schauen uns eh immer wieder um. Aber natürlich, du hast halt im Rechtsbereich das Recherchethema, was wahrscheinlich gut abbildbar sein wird. Also da gibt es ja schon einiges Gutes am Markt, was auch immer wieder funktioniert. Das, glaube ich, ist ein Thema, das gut funktioniert. Was derzeit gerade massiv kommt, sind so diese Prozessablaufstools, wenn es um gesellschaftsrechtliche Prozesse geht, wie Sitzungen, Sitzungsvorbereitung, Protokollierung. Also diese ganze Umgebung, Das ist etwas, was auf jeden Fall jetzt gerade kommt. Also wir sind auch gerade in der Implementierungsphase für so ein Tool.

 

Martina Wachernig:

[31:04] Aber wie alles im Leben, es ist schwierig, das Verhalten der Menschen zu ändern, sagen wir es mal so. Es ändert nicht viel im Gesamten. Also das Ergebnis wird nicht so viel anders ausschauen und das Verhalten der Menschen zu steuern, das ist das Problem.

 

Markus Schrom:

[31:23] Gibt es im Unternehmen, das interessiert mich jetzt nur ganz kurz, jemanden, der diesen Prozess sozusagen begleitet, also diesen, ich sage mal, eine KI-Verantwortliche, jemand, der über das drüber schaut und eben, wie Sie sagen, probieren wir mal das oder dort implementieren wir mal das. Also dessen Aufgabe und deren Aufgabe das ist, sozusagen das zu machen, gibt es schon.

 

Martina Wachernig:

[31:44] Also wir haben da ein ganzes Team an Personen. Ich meine, der Vorteil in unserem Unternehmen ist, dass durch die Automatisierung, die schon lange, lange vorher begonnen hat, natürlich die Datenbasis schon eine andere war, dass jetzt die Einführung dieser Tools nicht so eine große Änderung ist. Gerade im Kraftwerksbereich, wo es schon seit Jahren, Jahrzehnten automatisiert wird, da hat man dann sehr schnell viele sehr gute Anwendungsfälle gefunden.

 

Martina Wachernig:

[32:10] Unser Aushängeschild ist immer so ein Fisch-Monitoringsystem. Also da wird in einer Fischaufstiegshilfe, da schwimmen die Fische durch und früher musste man halt immer schauen, welche sind das, wie groß sind die und Statistik auswerten. Mittlerweile macht das alles eine KI und das ist relativ kompliziert, weil man kann oft nicht genau unterscheiden, wenn sie so hintereinander schwimmen, die Fische. Also das ist gar nicht so easy, aber das ist ein Tool, das schon im Einsatz ist und wirklich vieles bringt und ökologisch auch wirklich wertvoll ist. Also insofern, unser Unternehmen ist sehr affin diesen Themen gegenüber. Also wir haben in allen möglichen Bereichen Einsatzgebiete, wo wir jetzt diese Tools schon nutzen. Ich habe gerade gesehen, das haben es eh veröffentlicht die Kollegen, auch unser internes Regelwerk. Da gibt es eine KI dahinter, wo man quasi leicht die Dinge auffinden kann. Also wir haben da alles Mögliche im Unternehmen. Im Rechtsbereich würde ich sagen, sind wir noch auf dem Weg und nicht dort, wo wir vielleicht schon sein könnten. Aber ich höre mich immer um. Also in Wirklichkeit, das ist jetzt niemand, der sagt, ich habe es abgeschlossen. Bei mir funktioniert alles.

 

Thomas Rabl:

[33:15] Wie du sagst, es ist ein Weg. Ja, Markus.

 

Markus Schrom:

[33:21] Damit haben wir auch unser drittes Thema, das wir uns vorgenommen haben, beleuchtet. Es war wirklich sehr, sehr interessant, auch die Legal Tech und KI. Wir haben gesehen, dass da doch noch ein weiterer Weg zu gehen ist und dass die Systeme zwar gut sind, aber noch nicht alles, denke ich, bieten, was die Anwender gerne hätten. Aber ich denke, eine Sache ist die Geschwindigkeit. Also ich glaube, von der Schreibmaschine zum PC, das hat relativ lange gedauert. Ich habe so persönlich ein bisschen den Eindruck, dass die Geschwindigkeit jetzt, die Innovationsgeschwindigkeit wirklich eine ganz andere ist und dass das nicht mehr in zehn Jahren oder fünf Jahresschritten geht, sondern tatsächlich im Jahresschritt, was sich da tut. Aber ich bedanke mich sehr, sehr recht herzlich bei Ihnen, dass Sie zu uns gekommen haben und uns einen Einblick gegeben haben in das Leben und Wirken einer Rechtsabteilung und auch diese technischen Komponenten ein bisschen, dass wir die beleuchten durften. Vielen Dank, dass Sie da waren.

 

Martina Wachernig:

[34:30] Danke für das Gespräch, war sehr spannend.

 

Markus Schrom:

[34:33] Ja, Thomas, auch dir danke und wie so oft gebührt dir das Schlusswort.

 

Thomas Rabl:

[34:40] Ja, Martina, ich darf mich auch nochmal bedanken, dass du da warst und das war tatsächlich interessant und gibt eben, glaube ich, auch über das, Juristische, was in der Ecolex typischerweise erscheint, auch ein bisschen einen Einblick in das, wo man das dann tatsächlich, was man in der Ecolex liest, auch anwenden kann und wie man es anwendet. Wir werden auch weiterhin entsprechende Folgen machen, die nicht über rein juristische Themen gehen. Also herzlichen Dank, Martina, viel Erfolg, auch fürs Jahr 2026, selbstverständlich noch, wir sind ja noch am Jahresbeginn. Da kommen sicher noch einige Herausforderungen auf uns alle zu. Und in diesem Sinn, wir hören uns.

 

Markus Schrom:

[35:15] Zu Recht.